
District 9 (NZ, USA 2009)
Januar 9, 2010Muppetshow garniert mit Transformers? – 3.5/10
District 9 entpuppt sich leider als einer der gnadenlos überhyptesten Filme, die ich je gesehen habe. Der absolut dämlich umgesetzte Dokumentarstil im ersten Drittel mit mindestens einem Schnitt pro Sekunde ist bestenfalls nervtötend und meiner Meinung nach auch schlichtweg billig. Ich habe nichts gegen den Einsatz von Handkameras und generell auch nichts gegen Trash, so lange dieser filmerisch auch gut gemacht ist – daß dies möglich ist haben viele Filme schon bewiesen. District 9 kann sich zudem auch einfach nicht entscheiden, was es denn nun sein will – Mockumentary mit Realitätsanspruch und Wackelkamera, hollywood-kitsch Action oder Splattertrash? Leider leidet nicht nur die Machart am fehlenden Gesamtkonzept, sondern darüberhinaus auch die Story, welche von Anfang bis Ende gespickt ist von elementaren Logiklöchern. Kostprobe?
Sich von Katzenfutter (Alf?) ernährende ekel Aliens lassen sich in Slums einpferchen, leben in Müllhütten und wissen nicht so recht, was sie mit ihrer fliegenden Untertasse anfangen sollen. Nebenher bauen sie aus alten Tetrapacks(?) Wunderwaffen und Kampfroboter, die sie aber lieber für eine Dose Whiskas an die Neger im Slum verkaufen, als mal kräftig auf den Putz zu hauen – zu was bauen sie denn diese Waffen, wenn sie doch eigentlich Mutter Theresa sind? Und warum ist nur Kai-Uwe der Computerfreak in der Lage aus alten 486ern und ein paar Diskettenlaufwerken ein kleines Miniraumschiff zu bauen?
Die vielfach gelobten Aliens empfand ich dabei als absolut abstoßend leblos, sie wirkten auf mich eher wie in Schleim gepackte Puppen aus der Muppetshow mit ein paar Tentakeln, der dämliche Kampfroboter schoss aber den Vogel ab. Die Geschichte an sich ist, abgesehen vom Gesamtszenario, auch alles andere als innovativ in meinen Augen: Böses kapitalistisch, imperialistisches Großunternehmen unterdrückt XY, Held wechselt durch einen Zufall auf die Seite der Unterdrückten und verwandelt sich (in diesem Fall auch körperlich). Böse Menschen wollen tolle Alien-Waffen klauen, können diese aber nicht benutzen (wie alt ist das denn bitte?). Jetzt bauen wir ein bisschen PengPeng ein und E.T. kann nach Haus telefonieren.
Irgendwelche Nebenstories erscheinen absolut unmotiviert, schauspielerische Leistung ist kaum nennenswert vorhanden. Das bräuchte man auch nicht, wenn es ein packender Action-Film wäre, da man aber gleichzeitig noch unbedingt die kultige Pseudo-Dokumentar-Schiene fahren muß, gelingt es weder den Zuschauer mit Action zu packen, noch ein realistische Atmosphäre zu vermitteln (im Gegenteil der Film wirkt über weite Strecken unfreiwillig komisch). Damit die Leute von Amnesty International und andere Alt-Hippies Beifall klatschen platzieren wir das ganze noch ins von Rassenunruhen gebeutelte Südafrika und wir haben den modernen sozialkritischen Touch für unseren Alien-mit-”Migrationshintergrund”-Film! Amen.
